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Ein Gespräch mit dem neuen Präsidenten des IDZ

Das Internationale Diakonatszentrum hat erstmalig einen Präsidenten aus den Vereinigten Staaten; Diakon Gerald DuPont stammt aus der Erzdiözese Galveston-Houston, Texas. Gerald spricht mit Diakon Nick Kerr.

Gerald DuPont, der neue Präsident des Internationalen Diakonatszentrums, hatte es nicht eilig damit, Diakon zu werden. Tatsächlich hat er sogar einige Zeit gebraucht, um zu erspüren, dass Gott ihn zum Diakon berufen hat.

Gerald ging direkt nach Beendigung seiner Schullaufbahn zur Louisiana State University, wo er Ingenieurswesen für Petroleum und Chemie studierte. Anschließend arbeitete er für Union of California. Der Beruf brachte ihn schließlich nach Houston, Texas. Er ist mit Peggy verheiratet. In diesem Monat feiern sie ihre Goldene Hochzeit. Sie haben zwei Kinder und acht Enkelkinder.

“Ich bin immer in der Kirche engagiert gewesen und soweit ich mich erinnern kann, lag das an meiner Mutter”, erzählt Gerald. “Wir lebten in der Gemeinde St. Theresa in Sugar Land südwestlich von Houston. Es war eine von Basilianern geleitete Gemeinde. Die Priester fragten mich: “Könntest Du Dir vorstellen, Diakon zu werden?” Es war also nicht meine Idee. Ich pflegte dann zu sagen: “Warum sollte ich das tun? Engagiere ich mich nicht schon genug in vielen Bereichen? Ich mache mit beim Ritus christlicher Initiation für Erwachsene (RCIA). Ich nehme an Bibelkursen teil. Ich gehe mit zum Dienst im Gefängnis und im Krankenhaus.”

Bild vergrößern “Wir hatten nicht zu wenig Priester in unserer Gemeinde. Einen Diakon gab es nicht. Ich muss zugeben, ich wusste nicht einmal genau, was ein Diakon war. Irgendwann bat mich mein Pfarrer, Exerzitien zu machen; es müssen Berufungsexerzitien gewesen sein. Dort stellte sich alsbald heraus, dass ich der Älteste war. Die anderen jungen Männer dachten darüber nach, Priester oder Ordensmann zu werden. Dem Leiter der Exerzitien habe ich dann gesagt, vielleicht sollte ich doch nicht hier dabei sein. Er sagte nur: “Vielleicht nicht. Aber warum bleiben Sie nicht ein Wochenende und schauen, wohin es führt.”

“Nach den Exerzitien ging ich zurück in die Gemeinde und gab meinem Pastor die Rückmeldung: “Es waren gute Exerzitien, eine Berufung zum Diakonat spüre ich allerdings nicht. Aber ich sollte einen Geistlichen Begleiter haben; vielleicht lässt sich mit ihm Einiges klären.”

Gerald schlug einen Priester vor, den er sich persönlich gut als Begleiter vorstellen konnte; er kannte ihn aus ihrer gemeinsamen Arbeit im gemeindlichen RCIA-Programm. Sein Gemeindepfarrer äußerte seine Bedenken: “Gehe liebr nicht zu ihm, er mag Diakone ganz und gar nicht!” Allzu sehr schien allerdings seine Ablehnung nicht ausgeprägt gewesen zu sein. Nachdem Gerald beim nächsten RCIA Treffen einen Teil der Veranstaltung moderiert hatte, kam der Priester zu ihm und fragte: “Haben Sie jemals darüber nachgedacht, Diakon zu werden?” Peggy schaute zu Gerald rüber und warf ein: “Hast Du schon mal darüber nachgedacht, dass Gott Dir durch einen anderen Menschen etwas sagen will?”

Gerald rief danach beim verantwortlichen Priester für die Ausbildung der Diakone an. Ihm wurde mitgeteilt, dass vor ihm auf der Warteliste 300 Personen aufgelistet seien und dass er nicht mit einer Ausbildung rechnen könne. Gerald antwortete nur: “Monsignor, für mich ist das ganz in Ordnung. Es war sowieso nicht meine Idee.” Einige Monate später wurde Gerald ausgewählt, machte seine Ausbildung und wurde mit 42 Jahren zum Diakon geweiht.

Anschließend erwarb Gerald einen Master in Bibelwissenschaft und Systematischer Theologie. Insgesamt blieb er für 25 Jahre in Sugar Land. Es war eine junge Gemeinde. So hat er vermutlich ungefähr 3000 Kinder getauft und bei 200 bis 300 Eheschließungen assistiert.

Seit seiner Weihe ist Gerald fast immer in die Ausbildung von Diakonen involviert gewesen. Nach einiger Zeit erhielt er sodann einen Lehrauftrag am Seminar der Universität St. Thomas in Houston. Bald darauf wurde er gebeten, auch an der Theologischen Hochschule der Oblaten in San Antonio zu lehren. Zusammen mit Peggy zog er aufs Land, um beide Standorte angemessen erreichen zu können. In der Zeit endete seine Tätigkeit als Ingenieur.

Er wurde zum Leiter des pastoralen Jahres der Seminaristen in Galveston-Houston zwischen dem zweiten und dritten Jahr ihrer theologischen Ausbildung. Er begleitete sie das ganze Jahr hindurch in ihrem Gemeindepraktikum.

“Eines Tages,” so Gerald, “hatten wir eine Begrüßungsparty und – wie es sich für einen guten Diakon gehört – habe ich den Wein für alle Angestellten der Erzdiözese ausgeschenkt. Irgendwann wandte ich mich an Erzbischof Fiorenza: “Es ist doch interessant, Sie haben einen Priester, der verantwortlich ist für die angehenden Diakone und einen Diakon, der für die angehenden Priester verantwortlich ist.”

“Zwei Wochen später rief er mich an: ‘Ich möchte Sie bitten, über Etwas nachzudenken. Ich möchte, dass Sie sich Gedanken darüber machen, Verantwortlicher für die Diakone in unserer Diözese zu warden. Es wird eine volle Stelle sein.’ Bis dahin hatten sie nie eine ganze Stelle für diese Aufgabe. “Nein, danke”, sagte ich. Ich genoss meinen Lehrauftrag an der Universität. Ich hatte eine gute Zeit. Zwei Wochen später rief er mich wieder an, um zu fragen, ob ich darüber nachgedacht hätte. Ich dachte, er hätte wohl nicht richtig zugehört. Gesagt habe ich: “Nein, Erzbischof, alles in Ordnung. Ich liebe einfach, was ich tue.”

“Ungefähr eine Woche später rief seine Sekretärin an: “Der Erzbischof möchte Sie in seinem Büro sehen.” Als ich hereinkam, fasste er mich am Ellbogen und führte mich hinein. Ich dachte nur: “Ohje, ohje! Jetzt bin ich dran!” Er sagte zu mir: “Nun Gerald, ich muss Dich daran erinnern, dass Du Gehorsam versprochen hast.” Schlussendlich musste ich meinen Lehrauftrag abgeben und wurde Verantwortlicher für den Diakonat. Da ich in meiner Promotion über den Dienst des Diakons gearbeitet hatte, konnte ich das in meiner Doktorarbeit thesenartig Vorgetragene fast vollständig in Galveston-Houston umsetzen.”

Gerald war 13 Jahre lang verantwortlich. Im letzten Jahr ging er in Rente. Mit 450 Diakonen hat Galveston-Houston die zweitgrößte Anzahl in den USA. Chicago hat die meisten Diakone, Galveston-Houston das umfangreichste Ausbildungsprogramm.

Bild vergrößern Auf Landesebene war Gerald in den letzten zehn Jahren für den Diakonat leitender Berater der Katholischen Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten (USCCB). Er gehörte zwölf Jahre zum Vorstand der Nationalen Vereinigung der Diakonatsdirektoren (NADD). Seine Region hat er sechs Jahre vertreten, davon vier Jahre als Leiter. Im Jahr 2018 feiert NADD das fünfzigjährige Jubiläum der Wiedereinführung des Diakonats in den USA.

Gegenwärtig engagiert er sich in vier großen Projekten des NADD: die Jubiläumsfeier zum 50. Jahrestag der Wiedereinführung des Diakonats in den USA (22.-26. Juli 2018); die Überarbeitung des nationalen Direktoriums für Diakone; ein landesweites Forschungsprojekt zum Diakonat; und schließlich ein Projekt zur Bewertung und Einschätzung von Diakonatsbewerbern.

Er ist zudem als Diakon in zwei ländlichen Gemeinden tätig, was ihm eine Menge Fahrten einbringt.

Wir sprachen über den Dienst des Diakons in den USA.

“Für mich gab es allgemein gesagt drei Paradigmenwechsel in den USA. Ich selbst bin ausgebildet worden, als das zweite Paradigma galt. In den USA wurde die erste Gruppe 1971 geweiht; in Galveston-Houston 1972.“

“In den USA war unser erstes Direktorium ein schlichtes Handbuch – bekannt als “Kleines grünes Buch”. Mir scheint, dass der Ständige Diakonat in den USA in seinen Anfängen sehr stark durch Männer aus der Mitte der Gemeinde liturgisch geprägt war. Es war ein bisschen wie trial and error, als wir begonnen haben. Dabei waren sehr gute Diakone, vor denen ich großen Respekt habe.

“Sie waren Vorreiter. Sie nahmen die Herausforderung an und lebten damit, dass Diakonat und Presbyterat durcheinander gebracht wurden. Es gab für einige Zeit so manche Belastung, auch Spannung zwischen Diakonen und Priestern.

“Eine nationale Studie wurde durchgeführt und aufgrund der Ergebnisse wurde in den Jahren 1984/85 ein neues Direktorium herausgegeben. Es kam 1984 und mit einigen Revisionen dann erneut 1985. Für mich wurde damit ein zweites Paradigma auf den Weg gebracht. Es war nicht nicht nur liturgisch, sondern auch sozialdiakonisch ausgerichtet. Ich bin mir sicher, dass sich die Erwähnung meines Namens aufgrund einiger Projekte in unserer Pfarrei Sugar-Land – nämlich Gefängnis- und Krankenhausseeelsorge – ergab.

“Caritatives Engagement war primär. Der einzige Grund, warum Du in der Liturgie engagiert warst, war Dein Engagement im sozialdiakonischen. Der Diakon sollte predigen – aber in einer besonderen Weise. Er sollte sein soziales Engagement zur Grundlage seiner Predigt machen.”

Das dritte Paradigma betonte den Dienst des Diakons in Liturgie, Diakonie und Verkündigung.

“Es wurden weitere kleinere Studien durchgeführt”, so Gerald, “und schließlich wurden 1998 die Grundnormen für die Ausbildung der Ständigen Diakone von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen und der Kongregation für den Klerus herausgegeben.

“Kardinal Bernardin von Chicago schrieb schon davor im Jahr 1993 zum 25. Jahresjubiläum des Diakonats in seiner Diözese einen Pastoralbrief. Mir fiel auf, dass Rom diesen Pastoralbrief als Basis für das Dokument im Jahr 1998 genutzt hat. Das römische Dokument entfaltet den Pastoralbrief zu einer umfassenderen Version. Der Grund dafür ist wahrscheinlich der, dass es in den USA im Jahr 1998 mehr Diakone gab als in der geamten restlichen Welt, nämlich ungefähr 60%.

“In diesem Brief sprach Kardinal Bernardin über die Notwendigkeit für den Diakon, in allen drei Grundvollzügen seinen Dienst zu tun – in Liturgie und Diakonie und nun eben auch in der Verkündigung. Ein Diakon kann sich auf einen der Grundvollzüge starker konzentrieren, aber er sollte fähig sein, in allen drei Dienst tun zu können. Das war der Wechsel, der im Brief von 1993 angesprochen wurde und der dann in das Dokument von 1998 eingebracht worden ist.”

“Unser erstes wirklich umfassendes nationales Direktorium, eben das dritte, wurde im Jahr 2005 promulgiert, obwohl die meisten Diakonatsdirektoren schon früher mit den entsprechenden Entwürfen gearbeitet hatten.”

“So lässt sich aus meiner Sicht die Entwicklung des Ständigen Diakonats in den Vereinigten Staaten beschreiben. Es ist ganz offensichtlich, dass er sich in Europa anders entwickelt hat. Für mich sieht es so aus, dass der Schwerpunkt zunächst in der Diakonie, der Sorge um den Nächsten lag und nicht erst in einer zweiten Entwicklungsphase sich entwickelt hat. Wenigstens erscheint es mir so, wenn ich Diakone aus anderen Regionen oder Vertreter des IDZ höre – ich bin allerdings nicht sehr vertraut damit.”

Gerald hofft sehr, dass das IDZ den Diakonat in allen Ländern stärken und fördern wird.

“Ich meine nicht, dass wir eine uniforme Sprache oder ein gleichförmiges Bild vom Diakonat haben müssten”, sagt Gerald. “Das ist ja gerade die Schönheit des Diakonats. Das Amt antwortet auf die Notwendigkeiten vor Ort. Und die sind in verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich; Diakone werden in differenzierter Weise darauf antworten.”

“Wir wollen nicht, dass alle Diakone das exakt Gleiche tun. Meiner Ansicht nach würde das dem Diakonat selbst nicht gerecht. Es sollte allerdings gemeinsame grundlegende theologische Positionen geben; es sollte eine gemeinsame Sprache darüber geben, was ein Diakon ist – also auszudrücken, was Diakone sind und nicht unbedingt was sie tun. Was die Diakone tun, wird je nach Notwendigkeit variieren; es gibt aber gemeinsame Elemente in dem, was die Diakone sind.

Es muss keine Gemeinsamkeit bestehen in Bezug auf das, was wir tun. Es sollte einen Konsens geben in Bezug auf das, was wir sind. Ich hoffe, wir werden im IDZ diese weltweiten Gemeinsamkeiten auf die eine oder andere Weise erforschen können.

Gerald schrieb der Kleruskongregation, nun hat der Vorstand des IDZ einen Gesprächstermin mit Vertretern der Kongregation am 09.März in Rom bekommen.

„Gemäß unserer Satzung ist eines unserer Ziele, eine enge Beziehung zur Kleruskongregation zu fördern“, so Gerald. „Demzufolge wollen wir die Kongregation fragen: Was kann das IDZ tun, um Ihnen zu helfen? Was würden sie uns als Schwerpunkte unserer Arbeit nahelegen? Ich bin mir über die Themen, die den Diakonat betreffen, noch nicht hinreichend im Klaren. In welchen Bereichen möchte die Kongregation vielleicht mehr Klarheit haben? Welche Hilfe können wir ihr anbieten? Wenn wir das wissen, werden wir auch die für uns wichtigen Themen in den Beratungen mit der Kongregation ansprechen können.“

Gerald hofft, dass das IDZ mehr tun kann, um das Diakonat in verschiedenen Ländern der Welt mit Ressourcen zu versorgen, insbesondere in jenen Ländern, in denen das Diakonat noch in den Kinderschuhen steckt.

Jüngstens hat einer unserer Delegierten, Erik Thouet, Litauen besucht und traft dort den Bischof sowie drei der neuen Diakone. „Das ist ein gutes Beispiel für das, was wir tun können. Es ist großartig, was Erik getan hat: dorthin zu gehen und mit den jungen Diakonen etwas Zeit zu verbringen.“

„In den USA haben wir ein Projekt, dass wir Visitation und Beratung nennen. Ein Bischof kann ein Team einladen, um zu überprüfen, was in seiner Diözese geschieht, um dann vorzuschlagen, wie man das Ausbildungsprogramm, die Zulassung zum Skrutinium die Ausübung insgesamt verbessern kann. Es wäre ein wunderbarer Dienst, wenn das IDZ einen ähnlichen Prozess weltweit anbieten könnte.

„Mir wurde berichtet, dass eine unserer Delegierten, Marie-Françoise Maincent-Hanquez, eingeladen worden ist, um in Belgien über das Zusammenspiel von Diakonat und Ehe zu sprechen. Das ist ein wunderbarer Weg der Zusammenarbeit. Wir haben in unserer Organisation so viele Charismen. Wir müssen uns fragen, wie wir diese Gaben bestens nützen können, um das Diakonat weltweit zu fördern.“

Diakon Nick Kerr ist Delegierter des IDZ und Vorsitzender der Nationalversammlung der australischen Diakone. Er ist Diakon an der Kathedrale Franz Xavier in Adelaide, Australien und arbeitet vorwiegend mit Flüchtlingen und Asylbewerbern. Er hat mehrere Auszeichnungen für Journalismus erhalten und wurde für seine Verdienste im Bereich religiöser Kommunikation zum Ritter Seiner Heiligkeit ernannt.


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