Blog Studienkonferenzen Velehrad 2013

Veranstaltung

Diakone aus über 30 Ländern tagten in Tschechien

Diakone setzten sich mit Diakonie interkulturell auseinander

Gute Chancen für den christlichen Glauben in den Ländern Osteuropas sehen Diakone aus aller Welt. Bei ihrer Studienkonferenz im tschechischen Wallfahrtsort Velehrad bei Brünn stellten sie fest, dass die Kirche mit einer offenen Haltung gegenüber fremden Kulturtraditionen die christlichen Werte bedingungsloser Liebe und Barmherzigkeit glaubwürdig vermitteln kann.

Ein Diakon und seine Ehefrau aus Mexiko in traditioneller Tracht Ein Diakon und seine Ehefrau aus Mexiko in traditioneller Tracht Velehrad, einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Mähren / Tschechien, ist eng mit der Tradition der beiden Slawenapostel Cyrill und Method verbunden. Sie widmeten sich der Verschriftlichung der slawischen Sprache, übersetzten biblische Texte und andere religiöse Schriften aus dem Griechischen ins Slawische. Als Patrone Europas stehen sie für eine Brücke zwischen Ost und West, für einen Prozess ökumenischer Annäherung und interkulturellen Dialogs.

Seit dem frühen Mittelalter ist Velehrad Sitz des ersten großmährischen Erzbischofs, des hl. Method, und zugleich Sitz des politischen Verwaltungszentrums des Großmährischen Reiches. Die Anfänge des heutigen Velehrad gehen ins 13. Jahrhundert zurück. Damals entstand hier das erste Zisterzienserkloster in Mähren. Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich schließlich Jesuiten hier nieder. Papst Johannes Paul II. besuchte 1990 Velehrad und seine berühmte Basilika. Schon Pius XI. hatte ihr 1927 den Titel einer päpstlichen Basilika verliehen. 2013 stand für den Wallfahrtsort das 1150jährige Jubiläum des missionarischen Einsatzes der Slawenapostel Cyrill und Method an.

Bischof Graubner und Klaus Kießling, Präsident des IDZ Bischof Graubner und Klaus Kießling, Präsident des IDZ Die viertägige Konferenz befasste sich an diesem programmatischen Ort mit der Evangelisierung Osteuropas und der Bedeutung der Diakonie im interkulturellen Kontext. Nach einer Begrüßung durch den Erzbischof der Diözese Olmütz, Jan Graubner, und einer Einführung durch den Protektor des IDZ, Bischof Gebhard Fürst, mahnte Jaroslav Lorman, Theologiedozent an der Prager katholisch-theologischen Fakultät, für die katholische Kirche in Tschechien an, sie müsse nach den Jahren des Kommunismus konsequent im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils Reformen umsetzen und der Gefahr entgegenwirken, ein Leben im Ghetto zu führen. Die Vorurteile in der tschechischen Gesellschaft gegenüber der katholischen Kirche, der rund 10 Prozent der 10 Millionen Tschechen angehören, seien wegen der Erfahrungen in Reformation und Gegenreformation sowie in der Kaiserzeit groß. Die Kirche leide unter dem Vorwurf, ihr Klerus habe sich stets mit den Reichen und Mächtigen zum eigenen Vorteil und zum Nachteil der armen Bevölkerung arrangiert. Mit einer konsequent diakonischen Haltung könne sich heute Vertrauen gewinnen und zeigen, welche Vorteile der christliche Glaube und dessen menschenfreundliche Werte für die Gesellschaft hätten.

Jaroslav Lorman Jaroslav Lorman Lorman forderte seine Kirche auf, den Dialog mit allen Menschen zu suchen, nicht nur mit denen, “die so oder so wie ich denken und glauben.” Er zitierte den Prager Erzbischof, Kardinal Dominik Duka, der seinen Landsleuten zwar religiöse und spirituelle Sehnsucht bescheinigte, die sich allerdings vielfach in einer unbestimmten Art von “Etwasismus” zeige. Gelinge es der Kirche, die Tschechen davon zu überzeugen, dass sie nicht zum Selbstzweck handle, sondern im Dienst an den Menschen, dann könne sie zunehmend Akzeptanz erfahren. Das bedeute allerdings auch, dass sie in dem als atheistisch geltenden Land nicht Antworten auf nicht gestellte Fragen gebe, sondern mit den Menschen und vor allem mit den armen Menschen als pilgernde Kirche in einer offenen Haltung unterwegs sein müsse. “Christliches Leben ist gelebtes Provisorium”, stellte der Prager Theologe und Diakon fest. Entschieden sprach er sich sich unter Hinweis auf die frühe Praxis der Kirche für den Diakonat der Frau aus und mahnte eine stärkere Kooperation zwischen Klerikern und Laien an.


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