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Brückenbauer in Luxemburg

Der ständige Diakon, Brückenbauer in einem “exotischen Land”

Luxemburg ist ein exotisches Land : hier wohnen auf 2586 km2 ~626.000 Menschen aus fast allen Nationen der Welt, davon sind etwas mehr als die Hälfte Luxemburger Staatsbürger. Und es verdienen sich ihren Unterhalt in unserm kleinen Land 445.000 Menschen, davon überqueren 204.000 täglich die Grenze aus Deutschland, Frankreich und Belgien (Stand 2020).
So bunt wie die Gesellschaft in Luxemburg aussieht, sieht auch die Gemeinschaft der ständigen Diakone in der Erzdiözese Luxemburg aus.
In der Diözese Luxemburg wurden die ersten ständigen Diakone vor 1983 (2) geweiht. Seither ist die Zahl der Diakone auf über 20 angestiegen. Aber, wie bereits erwähnt, sehr bunt, da wir auch hier mehrere Nationalitäten zählen: Luxemburger, Deutsche, Portugiesen, Franzosen und Italiener. Dazu kommen noch einige Grenzgänger. Und unter unseren 4 Anwärtern sind ein Litauer und ein Luxemburger kroatischer Abstammung.

Bild vergrößern Ein Land wie unseres, das historisch katholisch geprägt ist, kämpft mit der Säkularisierung der Gesellschaft und dem Schwund der praktizierenden Mitglieder bzw. deren älter werden. Wobei der berüchtigte Reichtum unseres Landes und die ständige Steigerung der Konjunktur nicht dazu beitragen, dass Menschen sich Gedanken über Gott und den Sinn des Lebens machen bzw. sich auf die Suche nach Gott begeben. Wenn Luxemburg früher Missionare in die Welt geschickt hat, ist unser Land heute zum Missionsland geworden. Dies ist also eine der größten Herausforderungen für die ständigen Diakone, Zeugen sein in einer Gesellschaft, in der Menschen die Bindung zu Gott verloren haben, obwohl sie ihre Kinder taufen lassen, in der Kirche heiraten oder kirchliche Begräbnisse beantragen.
Auf einer pastoralen Reise mit jungen Menschen in Thailand kam ich mir vor wie der Exot unter den Exoten. Wie oft werde ich als Priester angeredet und man bedankte sich bei mir für die „schöne Messe“. Interessant sind dann die Gespräche, die darauffolgen. Zeuge sein!

Oben habe ich vom Reichtum unseres Landes gesprochen, über den sich viele bei uns freuen können. Aber dies gilt nicht für alle: Luxemburg liegt in einer europäischen Statistik auf gleicher Höhe wie Rumänien, was das Armutsrisiko angeht. Hier geht es um die finanzielle Armut in einem Land, das ein sehr gutes Sozialnetz hat. Und doch begegnen wir immer Menschen, die sogar von diesem Netz nicht aufgefangen werden und mit Nichts dastehen.
Neben dieser finanziellen Armut begegnen wir aber auch Formen der Armut, die in einer finanzstarken Gesellschaft vorkommen: Isolation, Familienzerrüttung und Beziehungsarmut.
Für uns Diakone gibt es viel zu tun, um Brücken zu bauen zwischen Menschen und Menschen, Menschen und Institutionen; Begleitung in vielen Lebenssituationen.

!(Weltjugendtag Krakau 2016)! Unser Erzbischof Jean-Claude Kardinal Hollerich streicht immer wieder den Vorteil der ständigen Diakone hervor, selbst im Familienleben zu stehen (die meisten von uns sind verheiratet). Dies sollte uns erlauben, näher an den Erfahrungen der Menschen zu sein. Die meisten von unseren ständigen Diakonen sind verheiratet und haben Kinder, sind also auch mit Problemstellungen konfrontiert, die z.B. Priester anders erleben. Einige von uns – und es werden immer mehr – gehen einer geregelten Arbeit nach und machen ihren Dienst als Diakon in ihrer Freizeit. Dachdurch erleben wir die Probleme des arbeitenden Volkes oft hautnah mit.
Erneut werden wir ständigen Diakone zu Brücken, die Menschliches zu Gott bringen.

Fränk Strock
geboren 1964, verheiratet, 3 Kinder, 1 Enkelin
Seit 1987 Sozialpädagoge; 2014 zum ständigen Diakon geweiht


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