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Meldung

Der Ständige Diakonat in Deutschland

Von Anfang an ist die zweifache Ausprägung Diakon mit/im Zivilberuf und Diakon im Hauptberuf in Deutschland prägend gewesen

Anfänge

Entzündung der Jubiläumskerze 50 Jahre Ständiger Diakonat Erzbistum Köln Entzündung der Jubiläumskerze 50 Jahre Ständiger Diakonat Erzbistum Köln Am 28. April 1968 wurden im Erzbistum Köln weltweit die ersten Ständigen Diakone der Neuzeit geweiht. Innerhalb von 8 Jahren gab es in 90 % der Bistümer Ständige Diakone (1984 in allen). Heute sind es über 3.300.

Es wurde viel entwickelt (Rahmenordnung der Deutschen Bischofskonferenz, Ausbildungskonzepte und Dienstordnungen, Arbeiten zur Theologie des Diakonats) und in der Arbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat beraten. Die Diakone sind alle in der Diakonie der Nächstenliebe, des Wortes und der Liturgie tätig – mit eigenen Akzenten in den Diözesen.

Herausforderungen

Von Anfang an ist die zweifache Ausprägung Diakon mit/im Zivilberuf und Diakon im Hauptberuf in Deutschland prägend gewesen.

Von den über 3.300 Diakonen sind gegenwärtig 42 % mit/im Zivilberuf tätig, 26 % im Hauptberuf und 32 % im Ruhestand bzw. entpflichtet.

Eine Besonderheit ist der hauptberufliche Einsatz von engagierten theologisch und/oder religionspädagogisch qualifizierten „Laien“, die häufig (mit einigen Einschränkungen im liturgisch-sakramentalen Bereich) in ähnlichen Aufgaben und Funktionen tätig sind wie Diakone.

Die Altersstruktur gibt zu denken: Der Anteil der Diakone bis 50 Jahre beträgt 10 %, bis 60 Jahre 30 %, bis 65 J. weitere 15 %; fast 44 % der Diakone sind 65 Jahre und älter, also im Rentenalter. Auch wenn fast 300 Männer sich in Ausbildung befinden und 2019 in Deutschland insgesamt 70 neue Diakone geweiht wurden, ist mit einem zahlenmäßigen Rückgang zu rechnen. Das Wirken der Diakone wird in Zukunft weniger flächendeckend sein können, es wird sich stärker exemplarisch, „prophetisch“ ausrichten!?

Möglichkeiten und Chancen

Wenn man den Blick nicht nur nach innen, sondern auch nach außen, an die „Ränder“ richtet, sind die Diakone im/mit Zivilberuf als „Boten“ , Grenzgänger und Brückenbauer eine echte missionarische Chance – mit Potential (Arbeitswelt, außer-kirchliche Erfahrungen und Kompetenzen).

Konzelebration 50 Jahre Ständiger Diakonat der Diözese Rottenburg-Stuttgart Konzelebration 50 Jahre Ständiger Diakonat der Diözese Rottenburg-Stuttgart Schließlich könnte die Flexibilität des Diakonats zu einem besonderen Qualitätsmerkmal werden. Papst Benedikt hob 2007 in einer Rede hervor: „Ich denke, dass ein Merkmal des Dienstes der Diakone gerade die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten des Diakonats ist.“ Und: „Es gibt kein einheitliches Profil. Was zu tun ist, unterscheidet sich je nach Ausbildung der Personen und nach den Situationen, in denen sie sich befinden.“

Ziele

Indem die Kirche die Diakone ordiniert, also mit einem unmittelbaren und eigenständigen Auftrag von Christus her ausstattet, stärkt sie die Diakonia in der Kirche ganz grundsätzlich. Um als Anwalt einer diakonisch-missionarischen Kirche wirken zu können, um sich prophetisch-kritisch Gehör zu verschaffen, ist eine gute strukturelle Verankerung der Diakone weiterzuentwickeln.

Obwohl theologisch so viel und fundiert gearbeitet wurde, kommen manche Fragen nicht zur Ruhe. Ein Ziel bleibt es, theologisch sprachfähig zu bleiben (oder neu zu werden), wie man von der Sakramentalität des Weiheamtes gut sprechen kann – ohne „Klerikalisierung“ oder „Sakralisierung“? Papst Franziskus schreibt: „Die Laien sind schlicht die riesige Mehrheit des Gottesvolkes. In ihrem Dienst steht eine Minderheit: die geweihten Amtsträger.“ Wie genau lässt sich dieser Dienst am Volk Gottes durch das besondere Dienstamt, das sich „dem Wesen, nicht dem Grade nach“ vom gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen unterscheidet, beschreiben?

Am Sakramentalen Diakonat scheiden sich gewissermaßen die Geister, da man sich zu seiner Begründung nicht auf exklusive Funktionen oder sakramentale Vollmachten „zurückziehen“ kann. Im deutschsprachigen Raum verschärfen sich die Fragen, nicht nur aufgrund des lauter werdenden Rufs nach Geschlechtergerechtigkeit. Viele verstehen nicht, warum sie faktisch (mit offizieller bischöflicher Beauftragung) einen diakonischen Dienst tun, ohne jedoch „durch die sakramentale Diakonatsgnade“ gestärkt zu werden, damit sie diesen Dienst „wirksamer“ erfüllen können.

Thomas Nixdorf, Diakon
Diplom-Theologe, Diplom-Psychologe
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
Ständiger Diakonat in Deutschland


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